Schwimmerschulter, Schwimmerknie & Co.: Wie Sie bleibende Schäden vermeiden

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Nicht alle Sportverletzungen lassen sich vermeiden, doch Schwimmerschulter, Schwimmerknie und Rückenschmerzen treten mit dem richtigen Training deutlich seltener auf. Die Schmerzursache liegt fast immer in der falschen Technik.

Schwimmerschulter: Komplexer Bewegungsablauf führt zu Schmerzen

Rund 30 bis 50 Prozent aller Leistungsschwimmer leiden an der Schwimmerschulter, einige davon akut, andere bereits chronisch. Dabei ist die Schwimmerschulter keine Verletzung an sich, sondern steht eher für verschiedene Verletzungen, die allein oder kombiniert auftreten können.

Ursachen der Schwimmerschulter

Innen- und Außenrotatoren der Arme sind unterschiedlich leistungsfähig bzw. werden unterschiedlich stark eingesetzt. Das heißt, dass beim Heranziehen der Arme weniger Kraft eingesetzt wird als beim Abspreizen.

In der Rückholphase des Armes entsteht ein nach unten gerichteter Zug an der Muskulatur des Oberarmkopfes, die Außenrotatoren sind nur mangelhaft einsetzbar. Damit wird der Schulterdachraum eingeengt.

Dies ist vor allem bei einem intensiven Training zu beobachten, wie es häufig von Leistungssportlern ausgeübt wird. Doch auch Hobbyschwimmer, die schlimmstenfalls sogar noch trotz Verletzungen schwimmen gehen, riskieren ebenfalls ihre Gesundheit beim „Training auf Kraft“.

Rund 30 bis 50 Prozent aller Leistungsschwimmer leiden an der Schwimmerschulter. ( Foto: Shutterstock-RomarioIen)

Rund 30 bis 50 Prozent aller Leistungsschwimmer leiden an der Schwimmerschulter. ( Foto: Shutterstock-RomarioIen)

So äußerst sich die Schwimmerschulter

Die Schwimmerschulter ist auf der Rangliste der Sportverletzungen nicht explizit zu finden, tritt jedoch extrem häufig auf und wird von fast der Hälfte der Schwimmer einmal oder mehrmals als Grund für ein unmögliches Training genannt. Die Probleme zeigen sich hauptsächlich, wenn die Arme zwischen 60 und 120° vom Körper abgespreizt werden.

Angefangen von leichten Schmerzen nach der Bewegung über Unbehagen oder leichten Schmerz bei der Bewegung und danach bis hin zu einer starken Beeinträchtigung des Leistungsvermögens des Sportlers differieren die Schmerzen. Sie werden je nach Intensität in vier Kategorien eingeteilt, wobei die letzte Kategorie den Schmerz umfasst, der ein weiteres Trainieren gänzlich unmöglich macht.

Was kann gegen die Schwimmerschulter getan werden?

Treten die Schmerzen regelmäßig beim Schwimmen auf oder sind sie erstmals so stark, dass ein weiteres Trainieren nicht möglich ist, sollte unbedingt der Arzt aufgesucht werden.

Ein Orthopäde oder Unfallchirurg ist der richtige Ansprechpartner. Er wird zusammen mit dem Physiotherapeuten eine geeignete Therapie in die Wege leiten, die meist aus einer Kombination aus Krankengymnastik und entzündungshemmenden Medikamenten (Ibuprofen, Diclofenac etc.) besteht.

Teilweise wird lokal Cortison gespritzt. Helfen konservative Anwendungen nicht, muss der Schulterdachraum notfalls operativ geweitet werden, was durch die Entfernung des dort vorhandenen Schleimbeutels möglich ist.

Wichtig:
In der Regel ist eine Trainingspause nötig, dies gilt zumindest dann, wenn die Schmerzen sehr ausgeprägt sind. Ansonsten wird das Training der Problematik angepasst und muss ggf. reguliert werden. Der behandelnde Arzt wird zusammen mit dem Patienten über eine Trainingspause entscheiden, die teilweise bis zu acht Wochen dauern kann.

Übrigens können Sportler, die bereits einmal von der Schwimmerschulter betroffen waren, ein höheres Risiko für einen Rückfall erleiden. Dieser wird immer dann auftreten, wenn die muskulären Dysbalancen wieder erkennbar werden und wenn die Außenrotatoren nur ungenügend trainiert werden. Wichtig ist daher das vorbeugende Training, bei dem die Außenrotatoren dauerhaft gestärkt werden.

Damit lässt sich auch anderen Sportverletzungen vorbeugen, was ohnehin der bessere Weg im Vergleich zur Behandlung ist.

Ein Orthopäde oder Unfallchirurg ist der richtige Ansprechpartner. Er wird zusammen mit dem Physiotherapeuten eine geeignete Therapie in die Wege leiten, die meist aus einer Kombination aus Krankengymnastik und entzündungshemmenden Medikamenten (Ibuprofen, Diclofenac etc.) besteht.  ( Foto: Shutterstock-Lopolo)

Ein Orthopäde oder Unfallchirurg ist der richtige Ansprechpartner. Er wird zusammen mit dem Physiotherapeuten eine geeignete Therapie in die Wege leiten, die meist aus einer Kombination aus Krankengymnastik und entzündungshemmenden Medikamenten (Ibuprofen, Diclofenac etc.) besteht. ( Foto: Shutterstock-Lopolo)

Schwimmerknie: Brustschwimmen mit Hindernissen

Das Schwimmerknie ist ein weiteres häufiges Problem, das vor allem beim Brustschwimmen zutage tritt. Es kann das weitere Training gänzlich unmöglich machen, weil die Schmerzen so stark werden. Auch hier sprechen die Experten davon, dass die Ursache der Beschwerden in einer falschen Schwimmtechnik liegt.

Das Schwimmerknie und seine Ursachen

Als Ursache für das Schwimmerknie wird in der Regel eine Außendrehung des Unterschenkels genannt. Diese Außendrehung wird bei gleichzeitiger Streckung des Kniegelenks durchgeführt und ist damit die Ursache für die Schmerzen. Hier wirkt die Muskulatur unterschiedlich stark zusammen bzw. muss die Drehung ausgleichen. Dies ist nicht ohne Weiteres möglich und vor allem beim Leistungsschwimmen, wo mit sehr viel Kraft agiert wird, problematisch.

So äußert sich das Schwimmerknie

Wie auch die Schwimmerschulter äußert sich das Schwimmerknie in Schmerzen. Diese treten anfangs meist nur in der Bewegung auf und verhindern ein allzu kräftiges Schwimmen. Mit fortgeschrittenem Stadium können sich die Schmerzen auch außerhalb des Schwimmens zeigen und treten erst nur beim Laufen, dann sogar im Sitzen und damit in Ruhe auf. Die Schmerzen können sehr stark werden und verhindern das weitere Trainieren. Aus einer anfänglichen Überanstrengung entwickeln sich Entzündungen an der Innenseite des Kniegelenks, die sich auch mit einer Überwärmung und Rötung des Knies zeigen können.

Video: ?Quarkwickel gegen Entzündung bei Wasser im Knie oder Brust

Wie wird das Schwimmerknie behandelt? (Video)

Viele Ärzte, die Sportverletzungen behandeln, schwören auf eine leichte Beanspruchung eines verletzten Muskels oder Gelenks. Bei einem Schwimmerknie hingegen sollte die ursächliche Bewegung gänzlich unterbleiben und nicht nur weniger stark ausgeführt werden. Das heißt, dass die Schwunggrätsche, die beim Beinschlag des Brustschwimmens ausgeführt wird, erst einmal unterbleiben muss.

Der Schwimmer muss nicht gänzlich auf das Schwimmen verzichten, sollte aber auf eine andere Technik umsteigen. Die betreffende Bewegung muss erst einmal unterbleiben. Für die Behandlung werden entzündungshemmende und schmerzstillende Medikamente (NSAR – nicht-steroidale Antirheumatika) eingesetzt, außerdem muss die Muskulatur gezielt mit der Hilfe des Physiotherapeuten aufgebaut werden.

Welche weiteren Verletzungen haben Schwimmer?

Das Risiken für Sportverletzungen ist bei Schwimmern weniger groß als bei anderen Sportlern, doch wie die Beispiele Schwimmerschulter und Schwimmerknie zeigen, ist es nicht gänzlich unmöglich, beim Schwimmen Schmerzen oder Verletzungen zu erleiden. Ein weiteres häufiges Problem sind Rückenschmerzen, da gerade beim Brust- oder Delfinschwimmen stark ins Hohlkreuz gegangen wird. Die Lendenwirbelsäule ist damit überlastet, die Muskulatur dort muss gezielt trainiert werden. Sollten hier Beschwerden auftreten, ist neben dem Muskelaufbau anzuraten, dass in einen anderen Schwimmstil gewechselt wird.

Tipp:
Die Schwimmerschulter gehört in ärztliche Behandlung! Treten starke Schmerzen auf, kann das Gelenk bereits geschädigt sein und aus einer Arthritis wird eine Arthrose mit folgendem Gelenkabbau. Denn auch wenn die Schwimmerschulter häufig auftritt und auch im Breitensport kein fremder Begriff ist, so ist sie doch nicht auf die sprichwörtlich „leichte Schulter“ zu nehmen!

Schwimmerschulter-Schwimmknie keine Seltenheit im Profisport ( Foto: Shutterstock- Africa Studio)

Schwimmerschulter-Schwimmknie keine Seltenheit im Profisport ( Foto: Shutterstock- Africa Studio)

Häufig gestellte Fragen zu Schwimmen und Schmerzen

Ist Schwimmen gut für die Knie?

Schwimmen belastet die Gelenke nur wenig und ist daher auch gut für die Knie, wenn sich hier eine Arthrose abzeichnet oder schon manifestiert hat. Das Schwimmerknie ist vor allem in Problem von Leistungsschwimmern: Bei einem sehr kräftigen Beinschlag wird das Innenband am Knie stark gedehnt, was zu Verletzungen führen kann. Beim normalen Freizeitschwimmen ist das selten der Fall.

Was bringt regelmäßiges Schwimmen?

Beim Schwimmen werden die Muskeln sehr effektiv trainiert, ohne dass die Gelenke belastet werden. Es werden Fehlhaltungen korrigiert und es lässt sich Stress abbauen. Außerdem werden Kraft und Ausdauer trainiert. Das Verletzungsrisiko ist beim Schwimmen gering. Des Weiteren werden die Knorpel und Knochen wenig belastet, der Körper trainiert praktisch im schwerelosen Zustand. Gleichzeitig wird fast jeder Muskel beansprucht.

Ist Schwimmen gut für die Lunge?

Schwimmen ist vorbehaltlos gut für die Lunge, trainiert die Atemwege und deren Kapazität. Das Lungenvolumen wird durch das regelmäßige Training größer. Atemwege und Lunge werden gut durchblutet und leistungsfähiger.

Das Schwimmerknie ist vor allem in Problem von Leistungsschwimmern: Bei einem sehr kräftigen Beinschlag wird das Innenband am Knie stark gedehnt, was zu Verletzungen führen kann. ( Foto: Shutterstock-Elnur)

Das Schwimmerknie ist vor allem in Problem von Leistungsschwimmern: Bei einem sehr kräftigen Beinschlag wird das Innenband am Knie stark gedehnt, was zu Verletzungen führen kann. ( Foto: Shutterstock-Elnur)

Was tun gegen Patellasehnenschmerzen?

Akute Patellasehnenschmerzen sollten gut gekühlt werden, das hilft auch bei arthritisch bedingten Schmerzen. Quarkwickel helfen bei Entzündungen und wirken ebenfalls kühlend. Um Schmerzen beim Gehen zu lindern, sollten Schuhe weiche Sohlen haben, damit alle Gelenke des Beines entlastet werden. Bitte eine starke Beanspruchung des Knies meiden!

Was ist das beste Mittel gegen Knieschmerzen?

Als Mittel gegen Knieschmerzen kommen in erster Linie Schonung und Kühlung infrage. Medikamentös kann auf nicht-steroidale Antirheumatika gesetzt werden, zu denen Ibuprofen und Diclofenac gehören. Sie wirken entzündungshemmend und schmerzlindernd. Diese Mittel sind als Gel, Pflaster, Salbe oder Spray für die äußere Anwendung erhältlich, können aber auch als Tablette eingenommen werden.

Wann sollte man mit Knieschmerzen zum Arzt gehen?

Betroffene sollten sofort zum Arzt gehen, wenn die Knieschmerzen akut auftreten, das Gelenk knackt oder knirscht und wenn es sich gerötete und überwärmt zeigt. Auch bei einer plötzlichen Instabilität ist der Arzt gefragt. Dies gilt ebenfalls, wenn das Knie aufgrund von Schmerzen nicht mehr belastbar ist. Auch bei dauernden Schmerzen bei bestimmten Bewegungen, die zuvor schmerzfrei möglich waren, sollte ein Orthopäde auf das Knie schauen.

Welcher Sport ist gut für die Knie?

Gut sind Sportarten, die die Gelenke schonen: Yoga und Tai-Chi, Walken, Wandern und Schwimmen sind zu empfehlen. Generell sollte jeder auf seinen Körper hören, der mit Schmerzen anzeigt, wenn etwas nicht in Ordnung oder sogar schädigend ist.

Kann man mit einem Bänderriss schwimmen?

Die Meinungen sind geteilt: Einige sagen, man darf mit einem Bänderriss schwimmen, solange es sich nur um vorsichtige Schwimmbewegungen handelt und die Kraft vorrangig aus den Armen kommt. Andere sagen, dass Schwimmen generell bei einem Bänderriss nicht zu empfehlen ist. Auch wenn eine Orthese zur Stabilisierung wasserfest ist, heißt das nicht, dass das Schwimmen damit vorbehaltlos möglich ist. Oft verschlimmern sich die Schmerzen beim Schwimmen.

Über den Autor

Rebecca Liebig

Rebecca Liebig ist gerade im achten Monat schwanger. Voller Vorfreude auf ihr Baby genießen sie und ihr Mann die spannende Zeit. Von der ersten Übelkeit bis hin zu den Bewegungen ihres Mädchens halten sie alles fest. Schließlich möchte man sich später ja auch an diese Zeit erinnern. Bei der Planung des Kinderzimmers gehen die Vorstellungen zwar auseinander. In einem sind sich Rebecca und ihr Mann jedoch einig: Die aufregende Zeit wollen sie so richtig genießen. Rebecca plant, drei Jahre mit ihrer Tochter zu Hause zu bleiben. Auch ihr Mann möchte zwei Monate Elternzeit nehmen.

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