Erbsen auf halb sechs: So werden Kinder zu Erbsenfreunden

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Welche Eltern kennen es nicht: Das Kind lässt Mama oder Papa am Tisch gnadenlos auflaufen. Ein liebevoll gezaubertes Menü mit vielen Vitaminen aus grünem Gemüse. Aber der liebe Nachwuchs mag keine Erbsen!

Vorstellungen von Eltern und Kindern

Die Vorstellungen über das, was gesund ist und auf den Esstisch kommen sollte, differieren stark. Eltern meinen, dass sich ihre Kinder gesund ernähren sollen, dass sie Vitamine brauchen und Mineralstoffe, Spurenelemente und Kohlenhydrate. Egal, sagen die Kinder, Hauptsache, es schmeckt! Es gilt daher, Gesundheit und Geschmack unter einen Hut zu bekommen, was ein oft kaum zu meisternder Spagat ist. So fragen sich dann Eltern, ob die gewünschten Pommes eventuell als gesunde Kartoffelmahlzeit mit vielen Kohlenhydraten durchgehen könnten und ob der heiß geliebte Pudding nicht doch ein bisschen Calcium und Vitamin B liefert?

Wichtig ist, dass es keine Streitigkeiten rund um das Essen gibt, denn wenn Kinder einmal bockig sind, essen sie schon aus Protest nicht. Da können sich Mama und Papa noch so viel Mühe geben und ein Menü herstellen, das jeden Sternekoch vor Neid erblassen lässt. Hat der Nachwuchs beschlossen, dass dieses Essen nicht schmecken wird, droht ein großer Familienkrach, ehe überhaupt ein Häppchen probiert wird. Finden Sie einen Kompromiss und mogeln Sie!

Außerdem ein Tipp: Machen Sie das Essen nicht zum Hauptthema. Interessanterweise haben Forscher herausgefunden, dass Kinder weit weniger anfällig auf Essen reagieren als gefürchtet. Sie erleiden nicht gleich einen Mangel, selbst wenn sie sich eine oder zwei Wochen von Spaghetti und Tomatensoße ernähren. Der kindliche Körper meldet über seinen Appetit, dass ein bestimmter Stoff benötigt wird. Und keine Bange: Kein Kind leidet, wenn es wirklich keine Erbsen ist!

Tipp: Machen Sie das Essen nicht zum Hauptthema. Interessanterweise haben Forscher herausgefunden, dass Kinder weit weniger anfällig auf Essen reagieren als gefürchtet. (#01)

Tipp: Machen Sie das Essen nicht zum Hauptthema. Interessanterweise haben Forscher herausgefunden, dass Kinder weit weniger anfällig auf Essen reagieren als gefürchtet. (#01)

Kinder und Grünzeug

Manche Experten erklären die Furcht vor Gemüse mit althergebrachter Vorsicht: Als wir alle noch Jäger und Sammler waren, mussten die Menschen vorsichtig sein mit dem, was sie essen. Viele grüne Pflanzen und Kräuter waren giftig und wer sich schützen wollte, mied diese lieber ganz. So sagen die Forscher, dass bei manchen Kindern quasi eine Art Restvorsicht zurückgeblieben ist: Besser nicht essen, es könnte giftig sein!

Wir als Eltern sehen das nicht ein und wissen dank der modernen Forschung um die guten Inhaltsstoffe, die in Spinat, Erbsen, Brokkoli und Co. enthalten sind. Und diese sollen irgendwie in das Kind gelangen, damit es sich gut entwickelt! Eine Möglichkeit besteht darin, solche Lebensmittel (die nicht selten leicht bitter schmecken) getarnt zu verabreichen. Eine Soße aus Sahne, Kräutern, Gewürzen und püriertem Brokkoli bringt Vitamine und hat keine Ähnlichkeit mehr mit dem verhassten Gemüse.

Erbsen können lecker verpackt als Erbsenpuffer auf den Teller kommen und lassen das Kind vergessen, dass es die runden Dinger nicht mag. Und auch die folgenden Tipps helfen dabei, Kinder von Erbsen zu überzeugen:

Wichtig ist, dass Kinder möglichst früh verschiedene Geschmacksrichtungen kennenlernen. (#02)

Wichtig ist, dass Kinder möglichst früh verschiedene Geschmacksrichtungen kennenlernen. (#02)

  • Langsam beginnen
    Wenn Sie ein neues Gemüse einführen wollen, beginnen Sie langsam. Geben Sie dem Kind eine kleine Menge Erbsen, die weich gekocht und mit Butter verfeinert worden sind. Es wird den süßlichen Geschmack rasch lieben lernen! Teilweise kann es auch sinnvoll sein, mit rohen Erbsen zu starten, die das Kind selbst aus der Hülle pulen kann. Die meisten Kinder mögen rohe Erbsen, diese müssen aber die richtige Reife haben und dürfen keinesfalls zu alt sein. Dann werden sie mehlig und schmecken nicht mehr süß.
  • Mitkochen lassen
    Viele Kinder essen die Speisen lieber, bei denen sie mitkochen durften. Bereiten Sie die Mahlzeiten gemeinsam zu und lassen Sie es das Kind übernehmen, die Erbsen in den Topf zu schütten, sie zu würzen und auf den Herd zu stellen. Sind Erbsen noch neu für Ihr Kind, sollten Sie aber das Abschmecken übernehmen. Erst die nach dem Kochen hinzugefügte Butter lässt Erbsen milder im Geschmack werden. Kosten Kinder das Gemüse vorher, trifft deren Geschmack meist nicht den des Kindes.
  • Frühzeitig beginnen
    Wichtig ist, dass Kinder möglichst früh verschiedene Geschmacksrichtungen kennenlernen. Wenn das Kleine also schon im Rahmen der Beikost Erbsen kosten durfte, wird es den Geschmack später nicht als fremd einstufen und das Gemüse ablehnen. Wichtig: Starten Sie mit Erbsen aber nicht zu früh, diese sollten nicht zum ersten Gemüse gehören, das Ihr Kind im Brei hat. Denn Erbsen wirken leicht blähend und können zu Bauchschmerzen führen. Die Frage, ob Kinder Erbsen essen dürfen, kann bejaht werden, braucht nur die Einschränkung, dass die Kleinen wenigstens ein Jahr alt sein sollten.

Video: Erbsen Crostini – Rezept und Anleitung – Natürlich Lecker

  • Neue Rezepte testen
    Kinder finden Essen toll, das möglichst bunt auf dem Teller leuchtet. Mit Erbsen können Sie daher wunderbare Gerichte zaubern, denn diese behalten auch nach dem Kochen ihre Farbe. Lassen Sie mit Erbsen, Möhren und Nudeln ein Gesicht entstehen und Sie werden staunen, wie gut Ihr Kind isst! Allerlei Anregungen für solche Rezepte finden sich auch in den verschiedenen Kochbüchern für Kinder, die zudem derart gestaltet sind, dass kleine Chefköche fleißig mithelfen oder sogar selbst den Kochlöffel schwingen können.
  • Mahlzeiten mit Spaß
    Essen soll Spaß machen, dann probieren Kinder auch leichter das, was auf dem Teller liegt. Sorgen Sie für eine entspannte und ruhige Atmosphäre und genießen Sie die Zeit mit den Kindern, die hier Gelegenheit haben, etwas von ihrem Tag zu berichten.
  • Erbsen als Beilage
    Lassen Sie das Essen nicht von Erbsen dominieren, sondern servieren Sie diese als Beilage zur eigentlichen Hauptmahlzeit. Fischstäbchen mit Kartoffelbrei oder Bratwurst mit Pommes sind zwei gute Möglichkeiten, um Kinder an die Gemüsebeilage zu bekommen. Nutzen Sie das Lieblingsessen Ihres Kindes dafür, Gemüse unterzumogeln und lassen Sie das Kind ohne Druck und Zwang in Ruhe probieren.

Video: Erbsen-Kroketten mit cremigem Gurken-Ingwer-Dip – Unser Rezept

  • Erbsen in jeder Form
    Gerade Erbsen oder Brokkoli lassen sich in vielen verschiedenen Varianten zubereiten. Ob als Soße oder in Smoothies, als Brotaufstrich oder in der Suppe: Gut versteckt und in geeigneter Form lässt sich das Gemüse nicht mehr vom Rest der Mahlzeit trennen. Erkennt das Kind die Gemüseform nicht eindeutig, wird es eher etwas davon probieren.
  • Erbsen für zwischendurch
    Sie müssen nicht bis zum Mittag oder bis zum Abendessen warten, ehe Sie dem Kind ein wenig Gemüse anbieten. Es geht auch, dass das Gemüse die Zwischenmahlzeit ist. Gerade Erbsen eignen sich dafür ganz wunderbar, denn sie können mit der Schote gegessen oder aus dieser herausgepult werden. So kann das Kind sein Essen selbst in die Hand nehmen und das wortwörtlich! Wer einen kleinen Garten hat, sollte daher unbedingt einige Zuckererbsen anbauen. Das Kind wird gern in den Garten gehen und sich eine Zwischenmahlzeit direkt von der Pflanze pflücken!
  • Ein gutes Beispiel sein
    Kein Kind wird gern Erbsen und Co. essen, wenn die Eltern ihr Gemüse auf dem Teller liegen lassen. Ist es hingegen normal, dass es auch Gemüse zum Essen gibt, gehört diese Esskultur für Kinder dazu. Sie probieren dann selbst neue Sachen, sind allgemein aufgeschlossener und testen andere Zubereitungen. Sie tun also gut daran, sich selbst ebenfalls gesund zu ernähren, denn Ihr Kind schaut auf Sie und Ihr Essen!

 

Wichtig ist, dass Kinder möglichst früh verschiedene Geschmacksrichtungen kennenlernen.

Wichtig ist, dass Kinder möglichst früh verschiedene Geschmacksrichtungen kennenlernen. (#03)

Ebenfalls wichtig ist, dass Sie dem Kind erklären, wozu das Essen gut ist. Was ist das Besondere an Erbsen oder anderem grünen Gemüse? Was machen die Vitamine in unserem Körper und was passiert, wenn diese nicht vorhanden sind. Holen Sie sich dazu Anregungen aus Büchern oder lesen Sie kindgerechte Erklärungen vor. Basteln Sie sich eigene Geschichten, die Sie gemeinsam mit dem Kind weiterspinnen. So ergibt sich nicht nur die tolle Chance, das Kind frühzeitig an gesundes Essen zu gewöhnen, sondern Sie schaffen eine eigene Esskultur mit speziellen Geschichten und damit eine Gemeinsamkeit, die Ihnen niemand nehmen kann.

Noch ein Tipp zum Schluss: Zwingen Sie das Kind nicht zu essen, sondern bieten Sie ihm immer wieder kleine Portionen des ungeliebten Gemüses an. Variieren Sie die Zubereitungsarten und bitten Sie das Kind, wenigstens zu probieren. Sicherlich wird es teilweise schon vorher wissen, dass es dieses Essen nicht mögen wird. Lassen Sie sich nicht entmutigen und probieren Sie es wieder. Viele Kinder essen manche Gemüsesorten ganz plötzlich sehr gern und niemand weiß, warum! Vertrauen Sie darauf, dass das auch bei Ihrem Kind so sein wird und bieten Sie ihm Alternativen, wenn es eine spezielle Gemüsesorte wirklich gar nicht mag.


Bildnachweis:©Shutterstock-Titelbild: Poznyakov -#01: asiandelight  -#02: Jenn Huls -#03: Pikul Noorod

Über Rebecca Liebig

Rebecca Liebig ist gerade im achten Monat schwanger. Voller Vorfreude auf ihr Baby genießen sie und ihr Mann die spannende Zeit. Von der ersten Übelkeit bis hin zu den Bewegungen ihres Mädchens halten sie alles fest. Schließlich möchte man sich später ja auch an diese Zeit erinnern. Bei der Planung des Kinderzimmers gehen die Vorstellungen zwar auseinander. In einem sind sich Rebecca und ihr Mann jedoch einig: Die aufregende Zeit wollen sie so richtig genießen. Rebecca plant, drei Jahre mit ihrer Tochter zu Hause zu bleiben. Auch ihr Mann möchte zwei Monate Elternzeit nehmen.

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