Wann sind Kinder alt genug für ein Smartphone?

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Kinder begeistern sich schon früh für die moderne Technik. Doch die Eltern möchten sie nicht zu früh daran gewöhnen. Was sagen die Experten dazu: Wann ist der Nachwuchs reif für die digitale Welt?

Fünftklässler mit Smartphone

Oft erhalten Kinder ein Smartphone, wenn sie in die fünfte Klasse kommen. Die Studien zeigen eine klare Tendenz an, dass die Nutzer von digitalen Geräten immer noch jünger werden. Schon in den ersten Schuljahren kennen viele Kinder die wichtigsten Funktionen von Smartphones und Tablets. Deshalb besitzen sie jedoch noch kein eigenes Gerät.

Laut aktueller Statistik sehen die Zahlen folgendermaßen aus:

  • Bei den zehn- und elfjährigen Kindern besitzen 29 % ein Smartphone und 32 % ein Handy,
  • bei den zwölf- bis 13-jährigen Kindern haben 55 % ein Smartphone und 28 % ein Handy.

Die Eltern der Fünftklässler überlegen sich, ob das Smartphone tatsächlich nötig ist: Einerseits ist da ein sicheres Gefühl, weil die Kinder notfalls anrufen können. Das ist allerdings auch mit einem Handy möglich. Andererseits wünscht sich der Nachwuchs endlich ein richtiges Smartphone, um mit den Freunden mithalten zu können. Die Bedenken der Eltern hängen mit den Verführungen der digitalen Welt sowie mit der Reizüberflutung zusammen.

Wenn sich Kinder mit einem Smartphone beschäftigen, fällt auf, wie schnell sie mit den typischen Funktionen zurechtkommen.  (#01)

Wenn sich Kinder mit einem Smartphone beschäftigen, fällt auf, wie schnell sie mit den typischen Funktionen zurechtkommen. (#01)

Die Gewöhnung an das Smartphone

Wenn sich Kinder mit einem Smartphone beschäftigen, fällt auf, wie schnell sie mit den typischen Funktionen zurechtkommen. Wischen, Tippen, Vergrößern – das fällt ihnen erstaunlich leicht. Trotzdem ist es wichtig, sie bei den ersten Schritten zu begleiten und ihnen Hinweise zu geben, wie sie richtig mit dem Mobilgerät umgehen.

Die Begleitung durch die Eltern wird von Kindern häufig missverstanden und abgelehnt. Sie wollen keine Kontrolle und fühlen sich eingeschränkt. Doch die Experten raten dazu, die Eingewöhnung langsam anzugehen und genau hinzusehen, welche Seiten die Kinder besuchen und was sie mit dem Smartphone machen.

So schnell die Kinder mit der Bedienung auch sind, sie haben noch nicht die nötige Reife, um sich selbst zu schützen. Darum ist es sinnvoll, den Nachwuchs zunächst ein Mobilgerät mit Grundfunktionen und ohne Internetanschluss zu schenken. Mit frühestens elf Jahren erhält das Kind dann sein erstes eigenes Smartphone. Anschließend sollte man sich Zeit nehmen, um alles zu erklären. Den Selbstschutz lernen die Heranwachsenden durch die entsprechenden Tipps der Eltern.

Die Forderungen von neugierigen Kindern

Ein gewisser Forscherdrang ist in jedem Kind angelegt. Die Kinder möchten die gleichen Dinge wie die Erwachsenen nutzen: Smartphone, Laptop und andere digitale Geräte sind für sie selbstverständlich. Die technischen Tricks haben sie schnell herausgefunden und sind den Erwachsenen mit ihrer Pfiffigkeit manchmal sogar überlegen. Diese technische Versiertheit ist jedoch nicht die einzige Voraussetzung, um ein Smartphone zu bedienen.

Gerade die neuen Smartphone-Modelle sind teuer, was heißt, dass sie vorsichtig behandelt werden müssen. Kinder müssen wissen, wie wichtig es ist, auf das Smartphone gut aufzupassen. Das heimliche Ausleihen von den Eltern ist nicht in Ordnung, stattdessen sollte man dem Nachwuchs das eigene Smartphone in einer ruhigen Stunde geben, um damit ein paar Funktionen durchzuspielen.

Der Kauf eines Smartphones sollte mit dem Kind besprochen werden. Um das Thema kommen die Familien spätestens ab der fünften Klasse nicht mehr herum.  (#02)

Der Kauf eines Smartphones sollte mit dem Kind besprochen werden. Um das Thema kommen die Familien spätestens ab der fünften Klasse nicht mehr herum. (#02)

Das Smartphone: Ein tolles Geschenk für Fünftklässler

Der Kauf eines Smartphones sollte mit dem Kind besprochen werden. Um das Thema kommen die Familien spätestens ab der fünften Klasse nicht mehr herum. Vielleicht kann das Smartphone ein Weihnachtsgeschenk sein, das nach den ersten Monaten für den Fünftklässler ausgesucht wird.

Manche Kinder fühlen sich im Alter von zehn Jahren den Stressfaktoren, die mit dem Besitz eines Smartphones zusammenhängen, nicht gewachsen. Doch die meisten schieben die Verpflichtungen gedanklich zur Seite und können sich nichts Besseres vorstellen.

Ein Tarifvergleich für den Handyvertrag zeigt auf, welche Vertragsbedingungen zur Verfügung stehen. Gemeinsam mit dem Kind kann eine geeignete Tarifoption ausgewählt werden. Wenn der Nachwuchs über die Kosten Bescheid weiß, fühlt er sich als Mitentscheider und geht verantwortungsbewusster mit dem Smartphone um.

Ratgeber informieren

Elternratgeber wie „Schau hin!“ geben Tipps, ab welchem Alter ein Smartphone infrage kommt und wie es mit der emotionalen Stabilität der Kinder aussieht. Unter anderem geht es bei diesen Ratgebern um die Warnung vor brutalen Videos, die auf einigen Plattformen gezeigt werden. Mit etwa elf Jahren ist ein Kind meistens selbstbewusst genug um Nein zu sagen, auch wenn die Freunde für ein solches Video Werbung machen.

Verstörende Internet-Inhalte sind nicht immer auf den ersten Blick zu erkennen. Generell handelt es sich bei den Videos, die sich die Kinder gegenseitig schicken, jedoch um harmlose Witzfilme.

Die Reaktionen auf nicht kindgerechte Filme und Bilder kann bei Kindern ganz unterschiedlich ausfallen. Wenn Eltern feststellen, dass ihre Kinder verstört sind, sollten sie unbedingt mit ihnen reden. Zudem liegt die Entscheidung, worauf die Kinder Zugriff haben, bei den Erziehungsberechtigten: Diese haben nämlich die Option, nur bestimmte Seiten zuzulassen und andere zu sperren.

Die unverzichtbare Kommunikation über Smartphone

Heutzutage läuft vieles über Facebook, WhatsApp und Threema. Ein Kind ohne Smartphone und Internetzugang wird womöglich schnell ausgegrenzt. In der Grundschule darf das zwar noch nicht geschehen, doch ab der fünften Klasse ist mehr Eigenständigkeit von den Schülern gefragt und das Smartphone wird fast schon zur Selbstverständlichkeit.

Im Optimalfall setzen sich Lehrer und Eltern zusammen, um die Medienerziehung zu besprechen und einen Maßstab zu setzen. Bei einem Klassenabend können die Eltern über ihre Sorgen sprechen und im Austausch mit den anderen eine Lösung finden. Wenn sich alle einig sind, bekommen die Kinder erst ein Jahr später ein Smartphone: Das ist immer noch früh genug.

Die Regelungen und Einschränkungen bei der Nutzung von digitalen Medien muss nicht in jeder Familie einheitlich sein. Man sollte sich trotzdem an die Abstimmung halten und sich mit den anderen betroffenen Eltern abstimmen, bevor man seinem Kind ein Smartphone schenkt.

Video: Smartphones: Wenn das Handy zur Droge wird | Kontrovers | BR

Smartphone-Apps für Schüler

Auf den Smartphones der Kinder tummeln sich vorwiegend Spiele-Apps. Damit sollten aber vor allem Grundschulkinder noch nicht alleine gelassen werden, besonders, wenn ständig Werbebanner erscheinen. Die jüngeren Kinder können noch nicht unterscheiden, ob es sich um den Inhalt des Spiels handelt oder um Werbung.

Fünft- und Sechstklässlern sollte man bestimmte Regeln setzen:

  • Nur Spiele-Apps ohne In-App-Käufe,
  • kostenpflichtige Apps oder Levels nur in Anwesenheit der Eltern bestellen,
  • die Spielzeit mit den Apps begrenzen.

Bei dem Deutschen Jugendinstitut sowie bei der Stiftung Lesen findet man Empfehlungen zu geprüften Apps für Kinder. Diese können bedenkenlos installiert werden, trotzdem sollte man darauf achten, dass der Nachwuchs nicht ständig mit dem Smartphone spielt.

Die Eltern als Vorbild

Wenn die Eltern oft das Smartphone in der Hand haben, dann machen es ihnen die Kinder nach. Es kann helfen, in der Wohnung eine handyfreie Zone festzulegen: Im Schlafzimmer ist das Smartphone tabu. Auch eine ungestörte Zeit – beispielsweise während des Essens und nach 19 Uhr – hilft dabei, der Digitalisierung zu entfliehen.

Verbote bringen meistens wenig, doch es gibt einige andere Tricks, die Kinder vom Smartphone, Tablet oder Fernseher wegzuholen. Anstelle des Online-Games ist einmal das Kartenspiel dran und das Treffen mit den Freunden im Schwimmbad ist garantiert spannender als der Austausch über WhatsApp.

Wenn die Eltern selbst konsequent bleiben und ihr Smartphone nicht im Dauereinsatz benutzen, lassen sich die Kinder gerne davon anstecken. Schließlich sollen die Geräte den Alltag lediglich erleichtern und nicht komplett übernehmen.

Wenn die Eltern oft das Smartphone in der Hand haben, dann machen es ihnen die Kinder nach. (#03)

Wenn die Eltern oft das Smartphone in der Hand haben, dann machen es ihnen die Kinder nach. (#03)

Vorsicht mit persönlichen Daten

Man sollte seinem Nachwuchs keine Angst machen, ihn aber trotzdem über die Risiken informieren. Im Alter von elf Jahren findet allmählich der Wechsel von Offline-Nutzungen ins interaktive Netzwerk statt. Die Social Media werden jedoch nicht nur von Kindern genutzt, außerdem verbreiten sich Nachrichten hier extrem schnell.

Das Einstellen von Privatfotos kann Folgen haben, Online-Mobbing ist ein gefürchtetes Phänomen und manchmal lauern noch andere Gefahren im Internet. Wer seine Kinder dafür sensibilisiert, der gibt ihnen automatisch mehr Sicherheit, auch wenn sie zunächst Angst bekommen.

Wichtig sind die folgenden Fragen:

  • Wem erzähle ich was – und wer kann es noch lesen?
  • Welche Daten darf ich nicht eintragen?
  • Muss ich auf alle Chat-Nachrichten antworten?
  • Welches sind meine Netzwerk-Freunde – und sind das auch meine richtigen Freunde?
  • Stimmen die Infos, die ich im Netzwerk lese?

So schwierig es ist, den Kindern eine gewisse Kontrollfreiheit zu geben: Die Eltern sollten ihrem Nachwuchs auch vertrauen. Das gilt nicht nur für die digitalen Aktivitäten, sondern auch für den Schulweg und für die Freizeit, die das Kind draußen verbringt.

Video: Digitaler Infoabend für Eltern – Kids im Internet

Absprachen zwischen Eltern und Kind

Die Nutzung des Smartphones sollte bestimmten Regeln unterliegen. Bei einer solchen Absprache sollte man über die erlaubten Funktionen reden sowie über die Dauer der maximalen Spielzeit und der Chats. Medienpädagogen und andere Experten empfehlen für Grundschulkinder eine tägliche Nutzungsdauer von Digitalgeräten von maximal einer Stunde. Bis zum Alter von zehn Jahren ist es für die Kinder viel wichtiger, ihre Sensomotorik zu entwickeln. Spielen, Klettern, Laufen und Basteln sollten deshalb im Vordergrund stehen.

Auch nach der Grundschule dürfen die körperlichen Aktivitäten nicht auf der Strecke bleiben. Wer sich bewegt, ist gesünder. Die Empfehlungen werden zwar meistens nicht eingehalten, aber bei einem Ausgleich durch richtige Spiele und durch mindestens eine Sportart darf der Nachwuchs auch einmal eine halbe Stunde länger mit dem Smartphone beschäftigt sein.


Bildnachweis:©Shutterstock-Titelbild: Iakov Filimonov  -#01: Newman Studio  -#02: wavebreakmedia  -#03:  Syda Productions

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Über Rebecca Liebig

Rebecca Liebig ist gerade im achten Monat schwanger. Voller Vorfreude auf ihr Baby genießen sie und ihr Mann die spannende Zeit. Von der ersten Übelkeit bis hin zu den Bewegungen ihres Mädchens halten sie alles fest. Schließlich möchte man sich später ja auch an diese Zeit erinnern. Bei der Planung des Kinderzimmers gehen die Vorstellungen zwar auseinander. In einem sind sich Rebecca und ihr Mann jedoch einig: Die aufregende Zeit wollen sie so richtig genießen. Rebecca plant, drei Jahre mit ihrer Tochter zu Hause zu bleiben. Auch ihr Mann möchte zwei Monate Elternzeit nehmen.

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